Werbeanzeigen auf ChatGPT – welche Chancen sich ergeben könnten
3. Dezember 2025

Was bisher über OpenAIs Werbepläne bekannt ist
ChatGPT hat mittlerweile offiziell mit der Ausspielung von Werbung begonnen. Aktuell ist das Werbeformat jedoch nur in den USA verfügbar und befindet sich noch in einer frühen Phase. OpenAI hat bestätigt, dass Werbung langfristig Teil von ChatGPT sein wird und bereits eine eigene Werbe-Infrastruktur aufgebaut wurde.
Branchenberichte und aktuelle Tests zeigen, dass Anzeigen kontextbezogen zum Chatverlauf ausgespielt werden sollen – also passend zur jeweiligen Frage oder Situation des Nutzers. Für andere Märkte, darunter Europa, gibt es derzeit noch keinen konkreten Zeitplan.
Wie Anzeigen in ChatGPT integriert werden könnten
- Gesponserte Antworten oder Empfehlungen: Wenn jemand ChatGPT etwa nach einer Dienstleistung oder einem Produkt fragt, könnte die Antwort ergänzt werden durch Hinweise wie „Sponsored“ oder „Anzeige“. So bekommt der Nutzer eine Empfehlung — ähnlich wie eine Standard Anzeige.
- Kontextuelle Anzeigen basierend auf User-Daten/Memories: Dank der „Memory“-Funktion (also was ChatGPT über vorherige Gespräche weiß), könnten Anzeigen sehr gezielt und personalisiert ausgespielt werden — etwa basierend auf Interessen oder früheren Anfragen.
- Such-Ads innerhalb ChatGPT: In einer Beta einer mobilen App wurden Hinweise auf Elemente wie „search ad“ oder „ads carousel“ entdeckt — also Anzeigen, wenn Nutzer ChatGPT als Suchhilfe oder Recherche-Tool verwenden.
- Empfohlene Inhalte oder Services mit Link-Out: Statt dass der Chat selbst Werbung enthält, könnte ChatGPT bei bestimmten Fragen „empfohlene Anbieter“ anzeigen — mit Link auf deren Website oder Service. Damit wäre der Nutzer noch in der Chat-Umgebung, aber mit einem klaren Call-to-Action.
Unterschiede zu Google Ads und Social Ads
ChatGPT-Ads würden sich weniger wie Werbung anfühlen und stärker wie Empfehlungen wirken. Während Google Ads über Keywords getriggert werden und Social Ads über Zielgruppenprofile laufen, befindet sich ChatGPT direkt in einem Gespräch. Die Werbebotschaft taucht also im Moment der aktiven Problemlösung auf – genau dann, wenn jemand offen für Vorschläge ist.
Das schafft eine ganz andere Aufmerksamkeitssituation. Nutzer lesen keine Anzeigen „nebenbei“, sondern erhalten sie in einer Antwort, die sie ohnehin konsumieren wollen.
Gleichzeitig entsteht ein neuer Balance-Akt: Vertrauen ist bei ChatGPT extrem hoch. Werbung muss also sehr sauber gekennzeichnet und unaufdringlich sein, um dieses Vertrauen nicht zu gefährden.
Warum ChatGPT Werbung implementiert – und andere KI-Tools (noch) nicht
Während OpenAI Werbung in ChatGPT bereits eingeführt hat, verfolgt Google mit seinem KI-Tool Gemini aktuell einen anderen Ansatz. Google hat öffentlich kommuniziert, dass Werbung in Gemini vorerst nicht geplant ist. Der Grund dafür liegt vor allem im Kerngeschäft: Google möchte die klassische Suche und ihr bestehendes Werbemodell schützen und nicht durch KI-Antworten mit Anzeigen verändern.
OpenAI steht an einem anderen Punkt. ChatGPT ist kein Suchindex mit Milliarden bestehender Werbekunden, sondern ein eigenständiges Produkt mit hohen laufenden Kosten. Werbung ist für OpenAI daher ein logischer nächster Schritt, um langfristig ein nachhaltiges Geschäftsmodell aufzubauen – neben den kostenpflichtigen Abos.
Ein weiterer zentraler Unterschied liegt in der Funktionsweise der Tools. ChatGPT liefert keine Liste von Suchergebnissen, sondern führt ein Gespräch. Nutzer stellen Fragen, erhalten Einordnungen und erwarten eine hilfreiche, möglichst neutrale Antwort. Werbung erscheint damit nicht neben Inhalten, sondern potenziell als Teil der Antwort selbst. Dadurch kann Werbung wesentlich stärker an den jeweiligen Kontext angepasst werden, etwa in Form klar gekennzeichneter Empfehlungen, die zur konkreten Fragestellung passen. Für Werbetreibende ist das attraktiv, weil Nutzer genau in dem Moment erreicht werden, in dem sie aktiv nach Orientierung oder einer Lösung suchen.
Gleichzeitig macht genau diese Nähe Werbung in ChatGPT besonders sensibel. Je enger Anzeigen mit Antworten verknüpft sind, desto wichtiger sind Transparenz, Zurückhaltung und eine eindeutige Kennzeichnung. Das Vertrauen der Nutzer in die Qualität und Neutralität der Antworten ist einer der größten Erfolgsfaktoren von ChatGPT – und zugleich der größte Risikofaktor, wenn Werbung diesen Eindruck beeinträchtigt.
Chancen und Risiken für Dienstleister
Hier sind die wichtigsten Chancen und Risiken, die sich für Dienstleister beim Einsatz von ChatGPT-Ads ergeben können.
- Sehr präzise Ausspielung:
ChatGPT versteht den Kontext einer Frage viel besser als klassische Werbeplattformen. Dadurch kann Werbung genau im Moment erscheinen, in dem jemand aktiv nach einer Lösung sucht.
- Geringer Wettbewerb am Anfang:
Wenn der Kanal neu ist, werben dort noch wenige Unternehmen. Das bedeutet niedrigere Kosten und höhere Sichtbarkeit – ein Vorteil für alle, die früh testen.
- Höhere Aufmerksamkeit der Nutzer:
Nutzer interagieren bewusst mit ChatGPT und lesen Antworten aufmerksam. Anzeigen, die als Empfehlung integriert sind, können dadurch stärker wirken als typische Banner oder Social Ads.
- Schwierige Erfolgsmessung:
Es ist noch unklar, wie zuverlässig man erkennen kann, ob Kontaktanfragen oder Klicks tatsächlich durch ChatGPT-Ads entstanden sind.
- Vertrauensrisiko:
Wenn Werbung im Chat zu aggressiv wirkt, kann das Vertrauen der Nutzer in die Antwortqualität und in die beworbene Marke sinken.
- Abhängigkeit von einer neuen Plattform:
OpenAI kann Regeln, Preise oder Formate jederzeit ändern. Wer früh einsteigt, muss damit rechnen, dass sich das Werbesystem noch oft weiterentwickelt und anfangs instabil ist.
- Regulatorische Unsicherheit in Europa:
Gerade in der EU könnten Datenschutz- und Kennzeichnungspflichten die Einführung verlangsamen oder stark einschränken. Das kann dazu führen, dass Formate in Europa anders aussehen oder später starten als in den USA.
Wann es sinnvoll wäre, diesen Kanal zu testen
Auch wenn ChatGPT-Ads aktuell nur in den USA verfügbar sind, lassen sich bereits erste Schlüsse ziehen, für wen dieser Kanal künftig interessant sein könnte. Ein Test ist vor allem dann sinnvoll, wenn Unternehmen offen für neue Werbeformate sind und nicht ausschließlich auf bewährte Kanäle setzen. Besonders Dienstleister mit erklärungsbedürftigen Leistungen können profitieren, weil ChatGPT in einem beratenden Kontext eingesetzt wird und Nutzer aktiv nach Orientierung suchen.
Wichtig ist zudem, dass klar definiert ist, welches Ziel mit der Werbung verfolgt wird – etwa mehr Anfragen oder Terminbuchungen. Nur so lässt sich beurteilen, ob der Kanal tatsächlich einen Mehrwert bringt. Wie stark ChatGPT-Ads in Zukunft eingesetzt werden, wird stark vom jeweiligen Geschäftsmodell abhängen. Erste Tests können dabei helfen, den potenziellen Stellenwert dieses Kanals besser einzuordnen.
Unser Fazit
ChatGPT-Ads entwickeln sich gerade zu einer neuen Form der Werbung – persönlich, kontextbezogen und direkt im Moment der Problemlösung. Auch wenn der Start aktuell auf die USA beschränkt ist, zeigt sich bereits, welches Potenzial dieses Format für Dienstleister und KMUs haben kann. Noch gibt es viele offene Fragen, doch genau darin liegt die Chance für frühe Tester.
Wenn du möchtest, können wir gemeinsam überlegen, wie ein erster Pilot für deine Zielgruppen aussehen könnte und welche Botschaften besonders gut funktionieren würden.




